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Dr. Rainer Budde



Gedanken von Dr.Rainer Budde zu einigen Werken von Ralph Kleiner
Die Innovationen der Zeitgenössischen Kunst gehen nicht von der reinen Malerei, von der zweidimensionalen Kunst aus, die Neuerungen sind in den Sparten angesiedelt, die man nicht mit den klassischen Begriffen der Kunstgeschichte umschreiben kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich in den Werken von Ralph Kleiner ein intensiver Drang in das Dreidimensionale, ins Mixedmedia, letztlich in die Installation zeigt. In seinen Arbeiten diskutiert er die Fragen der Umwelt: der Mensch, die Natur, das Tier stehen im Mittelpunk der künstlerischen Auseinandersetzungen, also auch Fragen der Unversehrtheit, der Versehrtheit, der Labilität, des Beschädigens und des Konservierens. Er geht intensiv mit seinen Vorlagen um, z.t. sind es Realien aus der Dingwelt, keine Surrogate. Durch das Verändern des vorgestellten Gegenstandes zwingt er den Betrachter, sich mit seiner Schönheit zu beschäftigen. Man sieht die Skulpturen mit anderen Augen und vermag in ihnen ein dreidimensionales Gebilde mit rätselhaften Strukturen zu erkennen. Das Material schafft die Form. Man mag es vielleicht befremdlich finden, dass Ralph Kleiner ungewöhnliche Materialien verwendet. Die von der Konsumgesellschaft verbrauchten Gegenstände des menschlichen Alltags, werden in einen neuen Zusammenhang gesetzt und sie erfahren dadurch eine neue Sehweise. Gleichzeitig weist der Künstler auf eine Erscheinung unserer Zivilisation hin, in der eine riesige Industrie damit beschäftigt ist, Dinge für die Verpackung und damit für den Abfall zu produzieren. Bereits 1880 äußerte sich van Gogh im Anblick der Amsterdamer Müllkippe folgendermaßen: Mein Gott, ist das schön! Diese Sammlung abgedankter Eimer, Körbe, Kessel, Essnäpfe, Ölkannen, Eisendraht, Straßenlaternen, Tonpfeifen, es ist ein Paradies. Die Realität, wie bereits angedeutet, schafft sich einen geziemenden Platz in der Bildwelt. Ein Bildwerk ist also wirklicher, wenn es aus Teilen der wirklichen Welt gemach ist. Und doch führen die Materialien, die Ralph Kleiner in seinen Arbeiten aufnimmt, kein Eigenleben sie müssen sich der Komposition unterordnen. Er bezieht wie zufällig Pelz, Federn, Perlen, Glaskugeln, Papier und vieles mehr in seinen Arbeiten ein. Für ihn ist all dieses Arbeitsmaterial wie Farbe und Pinsel, sie sind nicht nur Mittel der Verfremdung und der phantastischen Umwandlung, sondern gleichermaßen wichtige, auf Grund ihrer sinnlichen Qualität, ikonographische Inhaltsangaben. Luxuriös und geheimnisvoll scheinen uns diese farbigen, kostbaren bemalten und reich geschmückten Gemälde, in denen eine unverwechselbare Fama verborgene Schätze bewahrt.

Man mag es möglicherweise schockierend finden, die oben geäußerten Gedanken zu den Werken Ralph Kleiners mit den Ideen der Romantik in Verbindung zu bringen. In der Romantik findet man die gespaltene Persönlichkeit, die Ichbetroffenheit, die sich zurückzieht, und die Welt in der Brechung erkennt. Der Romantiker achtet auf die Zwischentöne; einzig in der Gebrochenheit vermag er die Existenz zu begreifen. Dieses Ernstnehmen der Zwischentöne scheint mir die Besonderheit der Kunst von Ralph Kleiner zu sein. Ich verstehe seine Kunst als ein Nachdenken und zwar als ein Nach-Denken. In unserer immer stärker von Computer beherrschten Zeit ist es wichtig zu wissen, dass die Kunst der Persönlichkeit, der Inspiration einen großen Raum zugestehen muss. Die Kunst ist immer der Vorbote einer neuen Zeit. Der Künstler auf seinem eigen Weg, ein Prophet. Kunst ist visuelle Verkörperung des Individuellen und zugleich der Kollektiven Sensibilität.


Dr. Rainer Budde
Direktor, Wallraff-Richard Museum, Köln
 
   
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